Schlussbericht zum Klimaschutzteilkonzept

Die Aufgabenstellung lautete, für die insgesamt 8 (Samt)Gemeinden im Kooperationsraum Aller-Leine-Tal mit insgesamt knapp 75.000 Einwohnern ein aussagekräftiges und einfach zu handhabendes Konzept zu erstellen, mit dem in den kommunalen Liegenschaften der Energieverbrauch deutlich gesenkt und die Energieeffizienz erhöht werden kann.

 

Im Ergebnis sollte neben einer spürbaren CO² Reduzierung eine finanzielle Entlastung der kommunalen Haushalte erreicht werden. Außerdem wurde eine Vorbildfunktion der Kommunen für Gewerbetreibende und Privatpersonen angestrebt.

 

Für einige besonders geeignete Gebäude sollten zusätzlich Wärmenutzungskonzepte erstellt werden, um gänzlich von fossiler und atomarer Energie auf erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe umzusteigen.

 

Insgesamt haben die 8 (Samt)Gemeinden 92 Liegenschaften mit 114 Gebäuden und einer Nutzfläche von rd. 67.000 qm untersuchen lassen. Die Energiekosten für Heizung, Wärme und Wasser sind regelmäßig nach den Personalkosten und den Finanzierungskosten der größte Kostenblock im Haushalt einer Kommune. Allein in der kleinsten der beteiligten Gemeinden, der Samtgemeinde Rethem (Aller), betrugen die Kosten für Energie vor dem Start des Projektes rd. T€ 300 jährlich.

 

Die Voraussetzungen beim Start der Maßnahme waren in allen 8 beteiligten Kommunen unterschiedlich. Sowohl die Bestandsdaten der Gebäude wie auch die Auflistung der Energieverbräuche und der Stand der energetischen Unterhaltung der Liegenschaften stellten sich äußerst heterogen dar. Absprachen zu diesem Themenbereich fanden vor dem Start des Projektes zwischen den einzelnen Gemeinden nicht oder nur zu ganz bestimmten Anlässen statt.

 

Die Überlegung gemeinsam als „EnergieRegion Aller-Leine-Tal“ eine Förderung zu beantragen und die Maßnahme gemeinschaftlich umzusetzen entstand daraus, dass die Mindestgröße für eine Beantragung von Fördermitteln auf eine Einwohnerzahl von 10.000 gesetzt wurde. Diese Einwohnerzahl erreichen mehrere der beteiligten Kommunen nicht. Die 8 Kommunen arbeiten bereits seit 2001 als Leader-Region landkreisübergreifend zusammen und konnten daher auf eine gemeinsame Kommunikationsstruktur aufbauen.

 

Der erste Schritt, die gemeinsame Absprache und die Erstellung der Projektstudie erfolgte unter Einbindung des die Region im Leader-Prozess betreuenden Büros KoRiS, Hannover. Als Antragsteller und Projektträger für die EnergieRegion einigten sich die Beteiligten auf die Samtgemeinde Rethem (Aller).

 

Da die personellen Ressourcen in allen beteiligten Kommunen aufgrund der recht kleinen Verwaltungseinheiten nicht ausreichten um den gesamten Prozess allein abzuwickeln, verständigte man sich darauf die Ausschreibung, die Auswertung der Unterlagen und die Erarbeitung eines Vergabevorschlages an ein externes Büro zu vergeben.

 

Es wurde nun unter intensiver Einbindung aller beteiligten (Samt)Gemeinden die Maßnahme Anfang 2009 gestartet. Der gesamte Ablauf des Prozesses war harmonisch und kooperativ.

 

Die Ausführung erfolgte in 2 Phasen

 

Phase I: Untersuchung aller gemeldeten Gebäude. Die Ergebnisse wurden den Kommunen und den kommunalen politischen Vertretern vorgestellt und erläutert.

 

Phase II: Detailuntersuchung von 16 ausgewählten Liegenschaften mit einer Nutzfläche von insgesamt rd. 32.000 qm. Hierbei handelte es sich vorwiegend um die energieintensivsten Gebäude einer jeden Kommune mit dem höchsten Einsparpotenzial. Für einzelne Liegenschaften wurden darüber hinaus Wärmenutzugskonzepte erstellt. Hier wurde untersucht, ob ein Umstieg der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien oder nachwachsende Rohstoffe wirtschaftlich sinnvoll ist und welche Effekte ein solcher Umstieg auf den CO² Ausstoß hat. In dieser 2. Phase wurde parallel dazu ein Leitfaden für die Einführung eines Prämien- und Anreizsystems zum Energiesparen für Nutzer dieser Gebäude kooperativ erarbeitet. Außerdem wurden Schulungen für Hausmeister, Lehrer uns Schüler an den Schulen durchgeführt sowie Schulungen für Verwaltungsmitarbeiter und MitarbeiterInnen in Kindertagesstätten.

 

Der Abschluss der Gesamtmaßnahme erfolgte vereinbarungsgemäß zum 31.03.2010.

 

Die Grundlagen für die Datenerhebung und die sich anschließende Analyse durch den Auftragnehmer waren in allen 8 beteiligten Kommunen sehr unterschiedlich. Sowohl zum Gebäudebestand und den jeweiligen Bauausführungen wie auch zur Erhebung der Verbrauchsdaten war die Ausgangslage zwischen den Verwaltungen nicht vergleichbar und war zu Beginn der Maßnahme auf ein einheitliches und vergleichbares Niveau zu bringen.

 

Die in der Summe sehr zeitintensive Abstimmung mit dem Rechnungsprüfungsamt und zwischen den acht Kommunen sowie den übrigen Beteiligten (KoRiS, Auftragnehmer des Konzeptes, Auftragnehmer für die Ausschreibung und Begleitung des Konzeptes, Presse- und Informationsarbeit, Abstimmung mit dem Projektträger Jülich) erfolgte während des gesamten Projektzeitraumes vom Projektträger.

 

Weiter erfolgte eine intensive Einbindung der politischen Gremien in das Projekt. Darüber hinaus wurden vom Projektträger auf Anfrage diverse Vorträge und Präsentationen zu der Maßnahme – auch über die Region hinaus – durchgeführt. Kostenträger hierfür war die Samtgemeinde Rethem (Aller) als Projektträger. 

 

 

Lfd. Nr.

Bezeichnung

Förderbetrag in €

Ergebnisse

1

Phase I: Grobanalyse von 92 Liegenschaften mit 114 Gebäuden und insgesamt rd. 67.000 qm Nutzfläche hinsichtlich energetischer Sanierungspotenziale

67.909,97

Die Ziele wurden vollständig erreicht. Aus den Ergebnissen ist schnell und übersichtlich zu entnehmen, welche Maßnahmen mit einem geringen Aufwand und für geringe Kosten umsetzbar sind, um nachhaltige Energieeinsparungen zu erzielen bzw. die Energie-effizienz zu steigern. Z. B. wurde bereits im Bereich der Heiztechnik ein Austausch einer Umwälzpumpe gegen eine energieeffiziente Pumpe vorgenommen.

2

Motivationspaket einschl. Nutzerschulungen: Es sollte ein Leitfaden erstellt werden, der den beteiligten Kommunen die Einführung eines Prämien- und Anreizsystems ermöglichen soll. Außerdem waren Nutzerschulungen für Mitarbeiter in den Verwaltungen, Schulen und Kindergärten sowie für Hausmeister und Lehrer Bestandteil der Ausschreibung.

10.035,03

Die Ziele wurden vollständig erreicht unter kooperativer Erarbeitung mit Vertretern der beteiligten Kommunen und aus den Einrichtungen (Schulen, Verwaltungen, Kindergärten). Übertroffen wurden die Erwartungen und Ziele hinsichtlich des zukünftigen Vorgehens zu diesem Themenbereich: Es wurde in jeder Kommune ein Energiebeauftragter benannt. Diese acht Personen bilden den neu gegründeten „kommunalen Arbeitskreis Energie“ im A.L.T. Als erstes konkretes Ziel wurde vereinbart, ein Energiecontrolling für die großen Energieverbraucher in der Region zu installierten. Hierzu ist beabsichtigt, dass die EnergieRegion A.L.T. einen Klimaschutzmanager einstellt. Diese Person soll auch die Umsetzung der einzelnen Motivations-maßnahmen begleiten (z.B. Einführung des Prämien- und Anreiz-systems, Energieeinspar-ungen durch Änderung des Nutzerverhaltens der Mitarbeiter und Hausmeister)

3

Phase II: Detailanalyse mit Wirtschaftlichkeitsberechnung und Amortisationsrechnung. Die CO² Einsparpotenziale sollten dargestellt werden. Für ausgewählte Objekte sollten Wärmenutzungskonzepte für die Umstellung auf erneuerbare Energien bzw. nachwachsende Rohstoffe erstellt werden.

50.842,51

Die Ziele wurden vollständig erreicht. Erste konkrete Maßnahmen werden bereits umgesetzt. Auch das erste vorgeschlagene Wärme-nutzungskonzept wird noch in diesem Jahr realisiert (Wärmeversorgung des Schulzentrums in Rethem mit Nahwärme aus einer Biogasanlage)

 

Die Vergabe der zuwendungsfähigen Leistungen erfolgte an die Fa. Q-save, Berlin. Die im Nachweis aufgeführten Zahlungen sind ausschließlich an diese Firma geleistet worden und beinhalten nur die Positionen die im vorliegenden Förderbescheid Bestandteil der Maßnahme geworden sind. Bei der Endabrechnung ist festzustellen, dass die Maßnahme insgesamt deutlich günstiger abgerechnet wurde als ursprünglich geplant. Ging die erste Kostenschätzung noch von Gesamtkosten in Höhe von rd. T€ 293 brutto aus, ergab die Ausschreibung ein Ergebnis von T€ 190. Letztlich wurden davon nur T€ 171 kassenwirksam. Dieses lag darin begründet, dass die Projektbeteiligten sich vor den beiden Auftragsvergaben nochmals über die Erfordernisse der jeweiligen Teilleistungen ausgetauscht haben. Im Ergebnis konnte – ohne den Gesamterfolg zu gefährden – auf einige Schulungen zur Nutzermotivation verzichtet werden. Eine weitere beauftragte Schulung wurde nicht durchgeführt, da die angesprochenen Lehrer und Hausmeister von 2 Schulen an einer Schulung gleichen Inhalts im Rahmen dieser Maßnahme teilgenommen haben. Hier ist die Rückrechnung der Förderung des nicht benötigten Teilbetrages mit dem Projektträger Jülich bereits erfolgt.

 

Die Notwendigkeit und Angemessenheit der geleisteten Arbeit wurde zu jedem Zeitpunkt der Maßnahme von den beteiligten Kommunen erörtert. Absprachen hierzu fanden aber auch mit dem Fördermittelgeber sowie dem uns bei der Ausschreibung begleitenden Büro Schmidt-Wottrich, Berlin, statt. Um die unter I.1. genannten Ziele zu erreichen, waren die beauftragten und ausgeführten Leistungen erforderlich und angemessen.

 

Der voraussichtliche Nutzen der vorgelegten Ergebnisse wird hoch sein. In nahezu allen beteiligten Kommunen wurden bereits erste kleine weniger kostenintensive Maßnahmen in Angriff genommen. Weiter laufen derzeit mehrere konkrete Planungen um mit dazu reservierten Mitteln aus dem Konjunkturprogramm II des Bundes größere Maßnahmen zur energetischen Sanierung noch in diesem Jahr umzusetzen oder zumindest zu beginnen. Es wird angestrebt, den kooperativ erstellte Leitfaden für die Einführung eines Prämien- und Anreizsystems in den meisten Kommunen durch Ratsbeschluss umzusetzen. Außerdem ist vorgesehen, ein Energiecontrolling für die Immobilien mit den größten Energieverbräuchen einzuführen und zu pflegen. Hierfür, und für die Begleitung der Umsetzung des Prämien- und Anreizsystems ist die Einstellung eines Klimaschutzmanagers für die EnergieRegion A.L.T. vorgesehen. Konkrete Absprachen hierzu sollen bis zum Sommer dieses Jahres erfolgen.

 

Das Klimateilschutzkonzept zeigt sehr viele einzelne Maßnahmen auf Energie einzusparen und die Energieeffizienz zu steigern. Je nach Grad der Umsetzung werden die Erfolge sowohl hinsichtlich der Einsparungen und in der Folge bei der CO² Einsparung eintreten. Insbesondere für die aufgezeigten Wärmenutzungskonzepte zum Umstieg ganzer Liegenschaften auf erneuerbare Energien weisen hohe CO² Einsparpotenziale auf. Erste konkret beauftragte Projekte für die Umsetzung zeigen, dass das förderpolitische Ziel Energie und damit CO² einzusparen erreicht wird. Die größte derzeit bereits beauftragte Maßnahme ist die Umsetzung eines vorgeschlagenen Wärmenutzungskonzeptes für das Schulzentrum in Rethem auf eine Nahwärmeversorgung mit Wärme aus einer nahe gelegenen Biogasanlage. Dadurch allein werden ab Herbst 2010 jährlich mehr als 100.000.l Heizöl eingespart.

 

Es wurden diverse Erfahrungen durch die eingebundenen MitarbeiterInnen gesammelt. Insbesondere durch den deutlich intensiveren Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Verwaltungen konnte neben dem eigentlichen Projekt ein großer Nutzen aus der Zusammenarbeit gezogen werden. Diese Erfahrung mündete darin, dass im Laufe des Verfahrens alle beteiligten Kommunen einen Energiebeauftragten benannt haben, der verantwortlich ist für die energetische Situation aller kommunalen Gebäude. Diese 8 Personen bilden den neu gegründeten kommunalen Energie Arbeitskreis im A.L.T. Ein weiteres positives Nebenergebnis ist, das die Beteiligten sich darauf verständigt haben, nicht nur die aufgezeigten Ergebnisse des Klimaschutzteilkonzeptes im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten umzusetzen sondern auch ein Energiecontrolling einzuführen um die großen Energieverbraucher miteinander vergleichen zu können (Zeitvergleich und untereinander).

 

Die Ergebnisse des Klimaschutzteilkonzeptes haben aufgezeigt, dass sich sehr viele Maßnahmen zur energetischen Sanierung und zur Steigerung der Energieeffizienz wirtschaftlich rechnen und einen zusätzlichen deutlichen Nutzen für den Klimaschutz erbringen.

 

Im Anschluss an das Projekt wird die EnergieRegion A.L.T. eine Studie in Auftrag geben. Diese Studie hat zum Inhalt, einen Weg aufzuzeigen, wie sich die gesamte Region zukünftig zu 100% im Strom- und Wärmebereich mit erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe versorgen kann. In das Projekt eingebunden werden neben vielen regionalen Akteuren auch überregionale fachlich versierte Partner (u.a. deENet, Kassel).

 

Weiter ist vorgesehen, einen Klimaschutzmanager für die EnergieRegion einzustellen, der an der Umsetzung der im Klimateilschutzkonzept genannten Maßnahmen mitwirkt und insbesondere die Maßnahmen aus dem Motivationspaket intensiv begleitet. Auch soll diese Person ein Energiecontrolling für die 8 Kommunen aufbauen.

 

Über den folgenden Link gelangen Sie direkt zum Forschungszentrum Jülich: www.fz-juelich.de

 

Nachstehend können Sie sich den Bericht der Firma Q-save und den Leitfaden zum Nutzermotivationskonzept als pdf-Dokument downloaden:

 

Bericht der Fa. Q-save

 

Leitfaden zum Nutzermotivationskonzept

 

 

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Förderzeitraum: 01.04.2009 - 31.03.2010

Förderkennzeichen: 03KS0113