Rittergut Böhme

Das Rittergut Böhme liegt an der Mündung der Böhme in die Aller und an der Landstraße von Hodenhagen nach Verden. Die Akten führen geschichtlich nur zurück bis zum Jahre 1606, als die dort ansässige Familie von Ahlden dem Erlöschen nahe war. Auch erinnert an diese Familie noch ein prunkvoller Grabstein in der Kirche in Kirchwahlingen. Im Jahre 1614 erwarb die Familie von Weyn das Gut unter Aufhebung der Lehnsbindungen.
 

Rittergut Böhme

So wurde Böhme sehr früh frei erwerbbarer Besitz. Im Jahre 1682 erwarb es die Familie Sinwold, genannt von Schütz. Im Jahre 1709 erwarb es der Geheime Kriegsrat von Hattorf. Dieser erbaute im Jahre 1715 das jetzige Herrenhaus mit zwei Seitenhäusern sowie 1716 die Kapelle und eine weitläufige Gartenanlage im Barockstil, an die noch Reste der Gartenmauer und ein prachtvolles Tor erinnern. Im Jahre 1781 wurde der Wirtschaftshof in diese Parkanlagen hineinverlegt. Im Jahre 1815 veräußerten seine Erben das Gut an Herrn Joh. Michael Ehlermann. Er entwässerte die vorhandenen Moore und legte die heutigen Ackerländereien an. Sein Sohn begann die Neuzulage von 300 Morgen Rieselwiesen. Als er 1860 das Gut an den späteren Landschaftsrat von Arnswaldt verkaufte, vollendete dieser das Werk und legte wieder einen Park an im Stil der neuen Zeit.
 
Im Jahre 1901 ging der Besitz durch Heirat an die Familie von der Decken über und von dieser im Jahre 1963 durch Erbschaft an den jetzigen Besitzer Freiherrn von Hodenberg. Da der Boden hier im Urstromtal der Aller dürftig ist, waren zu allen Zeiten Nebenbetriebe mit dem Gut verbunden. Schon seit dem Mittelalter gehörten zu dem Gut eine Getreidemühle und eine Ölmühle, welche durch den Böhmezufluss betrieben wurden. In der Zeit von 1781 - 1887 waren dieselben verpachtet. Im Jahre 1888 wurde die Getreidemühle gründlich überholt und der neuen Zeit angepasst. Danach wurde sie zeitgemäß auf dem laufenden gehalten. Im Jahre 1919 wurde die Ölmühle stillgelegt, weil kein Bedarf mehr bestand. Die Getreidemühle lief bis zum Jahre 1972, danach nutzte der Besitzer die Wasserkraft ihrer Turbine zur Gewinnung von elektrischem Strom.
 
Von etwa 1845 bis 1867 bestand auf dem Gut eine Branntwein-Brennerei, ebenso von 1882 - 1904 eine Molkerei. Beide haben sich auf Dauer nicht bewährt. Von 1879 bis 1962 bestand ein Horizontalsägegatter. Von 1707 bis 1848 hatte das Gut die Niedergerichtsbarkeit über das Dorf Klein Eilstorf. Daran erinnert noch das alte Gefängnis im Innern des Kellers. Die Gutskapelle wird aufgrund eines Rezesses mit dem Landeskirchenamt von Pastoren der Gemeinde Kirchwahlingen mit versorgt. Die Mühle war zwar ein kleiner Betrieb, hatte aber ihre Kleinkundschaft in fünf anderen Dörfern außer Böhme und ihre Bäckerkunden in drei Dörfern und in der Stadt Walsrode. Freilich stellte sie nur Roggenmehl her, Weizenmehl nur in Ausnahmefällen für den Eigenverbrauch. Bis etwa 1960 wurde ein Teil der großen Grasfläche an Kleinbetriebe für ihre Viehhaltung verkauft, ebenso auch Holz für Heizzwecke.


Curt Freiherr von Hodenberg